
Drittklässler der Ascherslebener Grundschule Pfeilergraben haben auch in diesem Jahr eine bunte Wildblumenwiese angelegt. Davon profitiert nicht nur der angrenzende Tomatengarten.
Mit weit ausladendem Schwung werfen die Drittklässler Blumensamen auf den umgegrabenen Boden. Was daraus wird, konnten die Schüler, Lehrkräfte und Eltern der Ascherslebener Grundschule Pfeilergraben, aber auch zahlreiche Passanten bereits in den letzten beiden Jahren bestaunen: Hier wächst schon bald eine ungebändigte, kunterbunte, atemberaubende Wildblumenwiese heran. „Es ist das dritte Jahr, dass wir das tun“, sagt Klassenlehrerin Kathrin Urban, deren 3b praktisch die Patenschaft und die Hauptaufsicht für und über die Bienenwiese übernommen hat. Wobei sie mit dem Standort jährlich umziehen mussten. Etwa weil an der Stelle, wo zunächst noch die Blumen blühten, ein Eltern-Kurzzeitparkplatz entstanden ist.
„Doch ich hoffe, dass wir nun hierbleiben können“, deutet Urban auf das Rund, das ein kleines Bäumchen und einen riesigen Notenschlüssel umschließt. Und auf das Beet direkt am Eingang der Schule. „Es soll eine schöne Ecke werden, wo man auch ein paar Bänke hinstellen und Besucher empfangen kann“, so die Lehrerin. Wobei die Idee für die Bienenwiese von Matthias Stier stamme. Der Diplom-Gartenbauingenieur im Ruhestand, der einst die ganze Welt bereiste, um Blumensamen für das Unternehmen „Quedlinburger Saatgut“ zusammenzutragen, ist quasi der Herr des Ascherslebener Tomatengartens. Der ist vor drei Jahren ebenfalls auf das Gelände der Pfeilergraben-Grundschule umgezogen. „Mit den Tomaten geht es erst im August so richtig los, bis dahin wäre es ein bisschen langweilig“, lacht Stier, der nun der Interessengemeinschaft Tomate im Verschönerungsverein angehört und deren Triebfeder ist. Doch er habe noch immer gute Beziehungen ins Samengeschäft und zu Blumenmanufakturen. Aus Mössingen hat Stier deshalb das ganz besondere Saatgut für Aschersleben erhalten, finanziert vom Verschönerungsverein. „Das ist eine Mischung aus 40 verschiedenen Blumensamen“, deutet Matthias Stier auf die kleinen Körner in unterschiedlichen Größen. „Das sind Sonnenblumen, Zinnien, Korn- und Ringelblumen, Schleierkraut und Goldmohn, Roter und Blauer Lein, Schmuckkörbchen, Kapmargeriten, Schleifenblumen und Mädchenauge“, zählt der Fachmann Beispiele auf.
Zwei Kilogramm dieser Samen kommen in Aschersleben in den Boden. „Das hat aber nicht nur einen optischen Grund“, sagt Kathrin Urban. „Ausgangspunkt war wirklich der Tomatengarten. Tomaten brauchen Bestäuber und die Blumenwiesen sollen die anlocken.“ Zudem könnten die Grundschüler Schmetterlinge und Insekten beobachten und sich mit der Natur beschäftigen“, fügt Stier hinzu. Damit die hübschen Blumen ordentlich gedeihen, sind die Drittklässler bereits seit Tagen am Werkeln. Nachdem zwei fleißige Helfer des Bauwirtschaftshofes bei kaltem Wetter sorgsam den Boden umgegraben hatten, brachten die Kinder fruchtbare Erde auf. Nun wird geharkt, ausgesät, festgewalzt und gewässert. „Ich biete auch eine Garten-Arbeitsgemeinschaft an“, erklärt die Klassenlehrerin. „Da können wir auch mal gießen.“ Bei all der harten Arbeit wird es wohl nicht lange dauern, bis die ersten zarten Blättchen zu sehen sein werden. „Anfang Juni fangen die Blumen zu blühen an – bis in den ersten Frost hinein“, weiß Matthias Stier und freut sich auf ein schönes Spektakel, das nicht nur Schule, Lehrkräfte und Eltern, sondern auch viele Passanten erfreuen wird.
Quelle: MZ Aschersleben / Regine Lotzmann
mit freundlicher Genehmigung der Mitteldeutschen Zeitung
Foto: WG Einigkeit