
Auf der Alten Burg lernen Erstklässler der Grundschule Pfeilergraben den Wald mit allen Sinnen kennen. Die Waldwoche des Verschönerungsvereins richtet sich erstmals auch an Senioren.
Im Naherholungsgebiet Auf der Alten Burg stehen die Erstklässler der Grundschule Pfeilergraben zwischen Bäumen und Sträuchern. Die Blätter sind sattgrün, der Regen der vergangenen Tage steckt noch in der Natur. Es ist Waldwoche in Aschersleben. Organisiert wird sie vom Verschönerungsverein, der – wie bereits im Vorjahr – die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald mit der Durchführung naturpädagogischer Projekte beauftragt hat. „Alle Angebote sind ausgebucht“, sagt der Vereinsvorsitzende Silvio Merkwitz. Die Idee zur Waldwoche sei entstanden, weil die Programme der Nachhaltigkeitswoche regelmäßig schnell vergeben seien. „Wir wollten zusätzliche Angebote schaffen“, erklärt er. Möglich sei das jedoch nur durch Unterstützung: „Das alles geht aber nur, weil wir großzügige Spender haben, die die Waldwoche unterstützen. Ohne Spenden geht es nicht.“ Für die Mädchen und Jungen bedeutet das, Unterricht im Grünen. Statt Rechnen und Lesen stehen Fühlen, Riechen und Entdecken auf dem Plan. Sie greifen nach Blättern und Ästen, atmen die Waldluft ein. Natur wird zum Unterrichtsthema.
Bonté Blisse, Pädagogin bei der Schutzgemeinschaft, ist mit der Gruppe im Wald unterwegs. „Wir entdecken mit allen Sinnen gemeinsam den Wald“, sagt sie. Dabei gehe es um einfache Wahrnehmungen: „Da wird gefühlt und gerochen. Wir suchen Farben in der Natur – grün, aber auch das Lila der Blüten, das Braun der Äste.“ Nebenbei lernen die Kinder auch Details: Die Zapfen, die sie in den Händen halten, stammen nicht von Tannen, sondern von Fichten. Lehrerin Angela Müller begleitet die Klasse. „Wir sind gern mit den Kindern in der Natur, es ist ein tolles Angebot“, lobt sie. Sie ist gern mit den Kindern auf Entdeckungstour in Sachen Umwelt, Tiere und Natur und unter anderem auch in der Zooschule mit engagiert. Die Übungen sind praktisch angelegt. Die Kinder sammeln Äste und Blätter vom Waldboden und legen daraus gemeinsam die Form eines Baumes. Übereinander geschichtete Äste bilden den Stamm, trockenes Laub steht für die Krone.
Eine weitere Station zeigt, wie Wasser in Bäumen transportiert wird. Die Kinder nehmen vorbereitete Baumscheiben, geben Seifenlauge darauf und pusten hindurch. Auf der gegenüberliegenden Seite entstehen kleine Blasen.
Die Flüssigkeit wird durch feine Röhrchen im Holz gedrückt – jene Kapillaren, durch die auch im Baum das Wasser von der Wurzel nach oben gelangt. Die Waldwoche richtet sich in diesem Jahr nicht nur an Kinder. Erstmals gibt es auch Angebote für Senioren. Bonté Blisse besucht dafür drei Einrichtungen in der Stadt. „Da geht es ganz viel um Haptik und Erinnerungen wecken“, sagt sie. Sie bringt Materialien wie Äste und Blätter mit in die Seniorenheime, aber auch Aufnahmen von Vogelstimmen oder Felle. „Wir wollen damit die Möglichkeit geben, sich zu erinnern – frühere Walderfahrungen, Naturerfahrungen, Waldspaziergänge zum Beispiel. Das Leben im Einklang mit der Natur.“
Quelle: MZ Aschersleben / Katrin Wurm
mit freundlicher Genehmigung der Mitteldeutschen Zeitung
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