
Bei der Aktion „Mein Baum für Aschersleben“ sind 22 neue Bäume gepflanzt worden – aus ganz unterschiedlichen persönlichen Anlässen, von Jubiläen bis zum Gedenken an Verstorbene.
Die Zahl hat etwas Einprägsames. 333 Bäume sind es inzwischen, die seit 2015 im Rahmen der Aktion „Mein Baum für Aschersleben“ gepflanzt wurden. Eine Schnapszahl – und für Silvio Merkwitz, Vorsitzender des Verschönerungsvereins, ein sichtbares Zeichen dafür, wie sehr die Idee in der Stadt getragen wird. Am Sonnabend steht die Frühjahrspflanzung auf dem Programm. Gepflanzt wird an diesem Tag nicht mehr, die 22 neuen Bäume sind bereits zuvor in die Erde gebracht worden. Stattdessen kommen Bürgerinnen und Bürger zusammen, um einige der jungen Bäume symbolisch anzugießen.
Hinter jedem der 22 Bäume steht ein Anlass: Geburtstage, Ehejubiläen, die Geburt eines Kindes oder das Gedenken an verstorbene Angehörige und Freunde. Die Beweggründe sind persönlich und oft eng mit der Stadt verbunden.
Eine besondere Geschichte gehört in diesem Jahr einer Jubilarin. Frieda Kupfer aus Aschersleben ist 100 Jahre alt geworden. Ihre Familie hat ihr zu diesem Anlass einen Baum gespendet. Er steht so, dass sie ihn von ihrem Fenster aus sehen kann. Und oben am Goetheblick ist ein Ort zum Verweilen entstanden. Zwei Ginkgo-Bäume rahmen eine Bank ein. Anke Baumgart und Barbara Kettig, beide 60 Jahre alt, haben sie gespendet – die Bäume einander zum Geburtstag, die Bank im Rahmen der Aktion „Meine Bank für Aschersleben“. Mit einem Glas Sekt wollen sie ihren Platz demnächst einweihen. „Wir lieben unsere Heimat und wollten deshalb gern etwas für Aschersleben machen“, sagt Anke Baumgart. Künftig wollen sie hier Zeit verbringen, mit Blick über die Stadt. Und auch andere Ascherslebener sind eingeladen, die Bank zu nutzen. Wenige Meter weiter steht ein französischer Ahorn. Er erinnert an Hans-Jürgen Sandt, der im Dezember 2025 verstorben ist. Mitglieder der Laufsportgruppe Ascania sind zur Frühjahrspflanzung gekommen. „Er hat große Verdienste geleistet um den Laufsport in Aschersleben“, sagt ihr Vorsitzender Adrian Einecke. Hans-Jürgen Sandt war von Beginn an dabei, als die Laufsportgruppe entstand, und leitete sie über viele Jahre. Zahlreiche Veranstaltungen gehen auf sein Engagement zurück, darunter der Einetallauf, der Ottonenlauf und die Städtepartnerschaftsläufe von und nach Peine. Vieles habe er im Hintergrund organisiert, ohne großes Aufheben darum zu machen, berichten Weggefährten. Als Ultraläufer bewältigte er Distanzen bis zu 100 Kilometern. Sein Baum steht am Goetheblick – an einer Strecke, die er oft gelaufen ist. Bei der Aktion ist auch seine Frau Petra dabei. „Er war ein prägender Mensch“, sagt Einecke.
Die Pflanzaktion reicht auch in die Ortsteile der Stadt Aschersleben. Fünf der 22 Bäume stehen dort, unter anderem in Klein Schierstedt, Groß Schierstedt, Winningen, Wilsleben und Freckleben. In Klein Schierstedt hat der Ortschaftsrat eine Linde gespendet. An der Otto-Lilienthal-Straße gießt Heiko Grunert gemeinsam mit seinem Enkel Paul einen Walnussbaum an, den die Familie Grunert/Sperling gestiftet hat. „Das Gebiet hier weckt Erinnerungen an meine Kindheit und Jugend. Hier habe ich als Kind gespielt, als Jugendlicher abgehangen“, sagt Grunert.
Wer spendet Esskastanie? In Groß Schierstedt steht eine frisch gepflanzte Esskastanie. Für Holger Dietrich vom Bauwirtschaftshof ist das erst der Anfang. „Da könnte noch eine zweite dazu. Dann ist der Ertrag größer. Esskastanien pflanzt man eigentlich nicht allein“, sagt er und verbindet die Bemerkung mit einer Einladung an mögliche Spender. 500 Euro kostet ein Baum bei der Aktion „Mein Baum für Aschersleben“ von Verschönerungsverein, Stadt Aschersleben und Bauwirtschaftshof. Darin enthalten sind Kauf, Pflanzung, Pflege und Sicherung.
Quelle: MZ Aschersleben / Katrin Wurm / Foto: Thomas Tobis
mit freundlicher Genehmigung der Mitteldeutschen Zeitung