
Der Verschönerungsverein Aschersleben e. V. plant einen Natur-, Lehr- und Erlebnispfad im Einetal.
Als in Aschersleben kurz nacheinander zwei marode Fußgängerbrücken abgerissen wurden, regte sich Unmut in der Stadt. Der kleine Fluss Eine war plötzlich ein großes Hindernis. Die für Spaziergänge, Lauftraining oder Gassirunden beliebte Strecke entlang der Eine war mit einem Mal unterbrochen. Ein neuer Brückenbau stand zunächst nicht in Aussicht. Was war zu tun? Der Verschönerungsverein Aschersleben e. V. nahm diese Frage sehr ernst. Silvio Merkwitz, seit 2023 Vorsitzender des Vereins, erzählt: „Wir haben überlegt, als Verein selbst den Brückenbau in Angriff zu nehmen. Aber dazu gehört nicht nur der Bau. Es müssen Infrastruktur, Sicherheit, Wartung kalkuliert werden. Das sind Aufgaben und Kosten, die ein Verein nicht leisten kann.“
Aber Silvio Merkwitz setzte sich mit anderen Vereinsmitgliedern in die Spur. Er sprach mit der Stadtverwaltung, mit dem Stadtrat, mit Unternehmen, touristischen Partnern und weiteren Vereinen. Das Ergebnis beeindruckt. Die Stadt wird eine neue Fußgängerbrücke bauen. Der Verein entwickelte aus den Gesprächen und geplanten Infrastrukturmaßnahmen darüber hinaus die Idee, einen Rundweg im Einetal und auf der Alten Burg anzulegen. Die Idee des EinePfads war geboren. Der Verein erstellte Konzepte und beantragt Fördermittel. Hier wird klar: Brücken zu bauen, ist Aufgabe der Kommune. Aber Brücken schlagen – das können Vereine.
Mit allen Sinnen
Der
EinePfad
ist als Natur-, Lehr und Erlebnispfad geplant. Der drei Kilometer lange Rundweg
soll sich vom Einetal über die Alte Burg bis nach Westdorf erstrecken. Dabei
führt er am Zoo, am Planetarium oder auch am Aussichtspunkt Brockenblick
vorbei. „Wir haben uns gut überlegt, welche Strecke die beste ist. Unser Wunsch
ist es, kulturhistorische und naturräumliche Besonderheiten einzubeziehen,
gleichzeitig schöne Blicke und Sichtachsen zu berücksichtigen und angenehme
Plätze für Erholung und Rast zu schaffen“, so Silvio Merkwitz.
Geplant sind elf Erlebnisinseln, die Flora, Fauna, Geologie und Geschichte mit
allen Sinnen erfahrbar machen. Die Erlebnisinseln sind gleichermaßen ein
Angebot für Jung und Alt. Jede Erlebnisinsel steht unter einem übergeordneten
Thema. „Wir möchten Wissen nicht über Schautafeln mit langen Texten
vermitteln“, erklärt Silvio Merkwitz, „sondern zum Fühlen, Hören und Schauen
einladen.“ Die Erlebnisinsel am Luisenblick wird beispielsweise die regionale
Geologie erlebbar machen. Eine Taststation mit unterschiedlichen Gesteinsarten
ermöglicht, die Struktur von Muschelkalk oder Buntsandstein zu erfühlen.
An der Westdorfer Warte soll es eine Hörstation geben, die die Geschichte des
Turms erzählt. Der Weg führt auch an einer Kleingartenanlage entlang. Dort soll
eine große Hollywoodschaukel stehen. Gemütlich schaukelnd wird man
Wissenswertes über die Bedeutung und Historie des Schrebergartens erfahren.
Altes und Neues verbinden
Mit
den Erlebnisinseln wird der Rundweg nicht nur neue Angebote schaffen. Vielmehr
geht es auch darum, bereits Bestehendes einzubeziehen. Der Luisentempel oder
die Bank an der Westdorfer Warte sind Anlagen, die bereits vom
Verschönerungsverein in seiner fast 200-jährigen Geschichte angelegt oder
saniert wurden. Sie erhalten mit dem EinePfad eine neue Aufmerksamkeit. Bereits
vorhanden ist auch ein Barfußpfad. Er ist jedoch aktuell stark zugewachsen. Mit
dem Projekt EinePfad kann er reaktiviert werden.
Der Verein behält auch die Zukunft im Blick. Mit der Stadt Aschersleben ist
vereinbart, dass er eine regelmäßige Pflege und Kontrolle des Wegs übernimmt.
Aber auch die Einbindung von Freiwilligenaktionen wird zum Erhalt des Pfades
beitragen. Eine bereits jetzt von unterschiedlichen Vereinen organisierte
Aktion ist der „Frühjahresputz in und um den Zoo“. Die Aktion erfreut sich
jedes Jahr großer Beliebtheit und kann zur Pflege des Wegs beitragen.
Auch über möglichen Vandalismus hat Silvio Merkwitz bereits nachgedacht. „Tags,
Graffitis und kaputte Bänke gibt es immer wieder. Aber aus Angst vor
Beschädigung nichts zu tun und neue Projekte gar nicht erst anzugehen, ist
keine Option. Man muss einfach dranbleiben, um die Stadt und ihre Umgebung
lebenswert zu erhalten.“
Gemeinsam und nachhaltig
Der Verschönerungsverein hat von Anfang an nicht nur die Stadtverwaltung in die Planung des EinePfads einbezogen, sondern auch andere Partner wie die Aschersleber Geschichtswerkstatt oder die Aschersleber Kulturanstalt. Als Teilprojekt des EinePfads ist ein Trimm-Dich-Pfad am Gondelteich vorgesehen. Die Realisierung dieses Teilprojekts wird durch den Rotary Club Aschersleben unterstützt.
Ein wichtiger Grundsatz des Verschönerungsvereins ist Nachhaltigkeit. Alle Elemente, die auf dem Pfad aufgestellt werden, sollen aus wieder verwendbaren und schadstofffreien Materialien hergestellt werden. Dem Grundsatz der Nachhaltigkeit fühlt sich der Verein auch mit anderen Projekten verpflichtet. Neben dem Frühjahrsputz, organsiert er regelmäßig eine Nachhaltigkeitswoche für Kindergärten und Schulen. Seit 2012 gibt es den Tomatentag, an dem sich der Tomatengarten in einer Aschersleber Grundschule mit unzähligen Tomatensorten für Interessierte öffnet. Und auch das Projekt „Mein Baum für Aschersleben“ erfreut sich großer Beliebtheit. Bürgerinnen und Bürger, Vereine oder Unternehmen spenden einen Baum für die Stadt. In diesem Herbst wurde bereits der 310. Baum gepflanzt!
Die Realisierung des EinePfads soll über EU-Fördergelder aus dem LEADER-Programm erfolgen. Silvio Merkwitz hofft, dass alle Anträge genehmigt und somit die Planungs- und Baumaßnahmen bis 2027 fertig sind. So könnte der EinePfad das 200-jährige Jubiläum des Verschönerungsvereins einläuten. Der Verein wurde 1828 als „Verein zur Verschönerung der Umgebung der Stadt gegründet“. Mit dem Ziel, diesen Weg zu gestalten, bewahrt der Verein sein Erbe und gestaltet es lebendig und zeitgemäß.
Quelle: Mit freundlicher Genehmigung vom Landesheimatbund Sachsen-Anhalt e. V. Der Artikel ist im Sachsen-Anhalt-Journal – „Wege“ (Nr. 3, 2025) erschienen. https://landesheimatbund.de/artikel/der-weg-ist-das-ziel/